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Electric Rodeo in der Maria am Ostbahnhof. Das versammelte Clubpublikum feiert zu einer kruden Mischung aus Country und elektronischen Breakbeats. Entgegen dem sonst üblichen Berliner Stilpurismus und durchaus gut entertained.

Electric Rodeo @ Maria

Natascha, Mitorganisatorin der legendären Parties mit dem Hirsch, geht mit Electric Rodeo neue Wege. Sie hat einen Ruf zu verteidigen, denn die Hirschbar war schon immer für eine Überraschung gut.

Und war dabei nicht immer so öffentlich wie Electric Rodeo heute abend. Lange Zeit kam man zur Hirschbar nur mit Clubkarte oder in Begleitung einer Person mit Karte rein. Die Partyorte wurden nicht öffentlich bekanntgegeben - oder waren total verlassen wie in einer kalten Winternacht vor den Toren des Güterbahnhofs Warschauer Straße, ja, ich kann mich noch gut daran erinnern.

Doch wenn man drinnen war, konnte man sicher sein, etwas geboten zu bekommen. Goa und Trance waren tonangebend, in Berlin eher selten zu hören, aber dafür auf exzellentem Niveau. Das Besondere aber war die liebevolle Ausgestaltung der Partyorte. Mein Highlight bleibt ein Abend 1998 im Pfefferberg Subground, für einige Zeit festes Quartier der Hirschbar. In ein Tarnnetz über der Tanzfläche waren Unmengen von Margeriten gesteckt, so daß man unter einem Himmel aus Blüten tanzte. Da blieb es nicht aus, daß irgendwann jeder Partygast mit mindestens einer Blume im Knopfloch oder im Haar herumlief. Schön und selten.

Zurück zum heutigen Abend. Entgegen aller Trends nach mehr Trance und mehr Filter-House spielen auf dem "ground floor" hüft-hippelnde Breakbeats und Electro mit den DJs Spit, Tosh und Exposito. Dazwischen immer mal ein von der Masse recht gleichmütig ertragener Western-Song, inklusive Fidel-Solo und eingehakt herumspringenden Mädchen auf der Tanzfläche.

Deutlicher wird das Motto des Abends oben in der "country-lounge", wo zwei waschechte Westernbands zum Videogeflacker schwarzweißer "Woody"-Cartoons auftreten. Die Gäste amüsieren sich gut, besonders bei der zweiten Band, deren Gitarrist anscheinend den Afterparty-Drink mal eben um eine Stunde vorgezogen hat und nun keinen vernünftigen Ton mehr herausbringt (jetzt kommt der Gag: die Band heißt "Drug Free Poets").

Es ist kein gewöhnlicher Abend. Doch wenn man einen Schritt zurücktritt von seinen Gewohnheiten, funktioniert es. Dann spürt man die entspannte Atmosphäre und nimmt die freundliche und überaus reizende Bedienung an der Bar wahr. Die DJs verstehen ihr Handwerk, der Klang ist tief und gut.

Die einzige Konstante ist bei den Leuten rund um die Hirschbar die Veränderung. In der eher traditionsverhafteten Berliner Clublandschaft braucht man hier immer noch keine Sorge haben, die schlechte Kopie eines einst erfolgreichen Abends präsentiert zu bekommen.

Logo © Hirschbar


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